PASCAL MORCHÉ FLANIERT!

Pascal Morche, Duft

Riech mich!

24. März. 2019

Riech mich!

Klassiker und Alleskönner unter den Herrendüften – nur für mich bitte kein Unisex-Duft!

Männer haben viele Probleme: Bauchansatz, die Wahl der richtigen Alufelgen, und dann ist da (noch immer) ihre Angst, man könnte ihre Männlichkeit in Frage stellen.  Daher ist das Begriffspaar „Mann“ und „Parfüm“ ein No-Go im Verkauf. Eau de Toilette oder Eau de Cologne müssen Herrendüfte heißen, um ernst genommen zu werden. Jährlich kommen rund 80 neue Riechwässer auf den Markt – und eine ähnlich große Anzahl verduftet wieder.

Sogar die Nase des Mannes (nicht unbedingt der Trieb des Johannes) hat sich weiterentwickelt. Sein Duft spiegelt heute die Erwartungshaltung der anspruchsvollen Frau wider. So hat der Mann den Trend zumindest zum Zweitduft geschafft. Das war ja auch ein weiter Weg vom Desinfektionsmittel „Pitralon“ zum heutigen Duftangebot wie es zum Beispiel die wunderbare ALINA-Boutique hier anbietet.

Blicken wir diese Wegstrecke zurück: Über Dekaden blieb der Mann seiner kleinen, heilen Duftwelt aus „Hattric“, „Sir Irish Moos“ und „Tabac“ (völlig unterschätzt) treu. Dann gab’s im letzten Jahrhundert die 80er-Jahre: der Mann umnebelte sich im Lifestyle-Rausch mit Paco Rabanne, Loris Azzaro und lernte nun „Kouros“ und „Aramis“ auszusprechen. Wenn er durch einen Duty-Free-Shop stolperte, schaffte es sogar „Halston Z-14“ ins heimische Badezimmer und die Skyline der Flakons vor dem Spiegel ähnelte bald jener der Wiener Uno-City. 

Die Duftindustrie landete Anfang der 90er-Jahre ihre größten Hits: Davidoffs „Cool Water“ und Diors „Fahrenheit“ machten jetzt dem Hugo Boss-Duft im Sieben-Uhr-Flieger Konkurrenz. Schließlich justierte der Mann damals mit seinem Duft die Feinabstufung seiner Karrieresprünge ins Lower Middle, Middle, Upper Middle und Top Management neu. Evolutionstechnisch habe ich da nie mitgemacht. Viel zu anstrengend! Solche Mühen finde ich fast so schlimm wie Unisex-Düfte: Wenn meine Frau riecht wie mein Chef und der stinkt mir.

Nein, Unisex-Düfte („CK one“, auch ein Zeitgeistprodukt der 90er) kommen mir nicht an den Hals; aber ich besuche auch keine Gender-Seminare. Trotz einer immer wieder aufflackernden, heftigen Chanel „Antaeus“-Liebe bevorzuge ich seit vielen Jahren „Knize Ten“ im schönen Flakon von Adolf Loos. Elegante Momente verdienen „Musk“ von Etro und im Sommer greife ich gerne zu Hermès „Eau d’Orange Verte“. That’s it! Olfaktorisch bewege ich mir da auf hohem Niveau. Sie lesen richtig: Ich habe gelernt, dass es très chic ist, das Wort olfaktorisch im Zusammenhang mit Riechen zu benutzen.

Der kultivierte Mann (es soll ihn geben) fällt heute eben nicht mehr (nur) auf geruchsintensive Chemokeulen und Marketing-Hypes herein. Deshalb feiern auch Exoten und Duft-Klassiker (Dior „Eau Sauvage“, Acqua di Parma“ oder „Vetiver“ von Guerlain) jenseits des schnuppernden Mainstreams ihr Comeback. Duft-Essenzen für den Mann, wenn er nicht wie jedermann riechen will.